Novelle

Das Schweigen der Priester


Das Schweigen der Priester

Lorenzo Salvatore Cordí

 

Buchbeschreibung:

Du spürst sie im Rücken, nachts steht sie vor der Tür und klopft. Sie lauert an jeder Ecke, man vernimmt Stimmen im Kopf. Serpentinen verwandeln sich in Riesenschlangen. Die Bäume, sie heulen, ihre Äste versuchen, dich zu fangen. Wartet, hört ihr die Stimmen?

Horcht … das Schreien und Kreischen der Menschen. Sie schallen aus dem Tal des Grauens. Lauscht, wie der Flüsterer sie quält. Sie wollen fliehen aus der Verdammnis.

 

Über den Autor:

Der italienische spirituelle Arbeiter/Philosoph Lorenzo-Salvatore Cordí ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Er ist ein sehr naturverbundener und gläubiger Mensch. Er lebt heute in einer ländlichen Umgebung in einer kleinen Gemeinde in NRW.

Schon als Kind hatte er ausgeprägte sensitive Fähigkeiten und konnte sehen und wahrnehmen, was anderen verborgen war. Nach einschneidenden persönlichen Erkenntnissen erkannte er seine Leidenschaft zur Poesie.

 

1. Auflage, 2021

© Lorenzo Salvatore Cordí

  Alle Rechte vorbehalten.

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

 

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

978-3-347-27013-8 (Paperback)

978-3-347-27014-5 (Hardcover)

978-3-347-27015-2 (E-Book)

 

 

Prolog

 

Kommt, ich lade euch ein, setzt euch hin,

macht es euch gemütlich.

Seid ihr alle da?

Wenn wir uns bewegen wie auf Dornen,

ist jedes Wort,

aus unserem Munde verlogen.

 

 

Das Schweigen der Priester

 

    Du spürst sie im Rücken, nachts steht sie vor der Tür und klopft. Sie lauert an jeder Ecke, man vernimmt Stimmen im Kopf. Serpentinen verwandeln sich in Riesenschlangen. Die Bäume, sie heulen, ihre Äste, versuchen dich zu fangen. Wartet, hört ihr die Stimmen? Horcht … das Schreien und Kreischen der Menschen. Sie schallen aus dem Tal des Grauens. Lauscht, wie der Flüsterer sie quält. Sie wollen fliehen aus der Verdammnis. Sie können nicht, das Tor wird bewacht. Von einer Schlange mitsamt sieben Köpfen, ein Kriechtier aus vergessenen Zeiten. Ihr Name, Peccatum Mortiferum. Gefüttert wird sie mit Mördern und Vergewaltigern, sie, die Totmacher verhandeln einen Vertrag mit ihr, sie dürsten nach Blut, sie wollen an die Oberfläche um ihren Trieben freien Lauf zulassen. Mit zwiespältiger Zunge verspricht sie ihnen: „Für zehn Kinder lass ich einen von euch gehen. Das ist mein Wille.“ Ihre Lakaien, erschaffen aus Feuer, aus dem Abgrund der Hölle holte sie die Dämonen her.

Dunkelheit herrscht in den einst hellen Kathedralen. Der Menschheit haben sie den Rücken zugekehrt. Jahrhunderte vergehen und keiner mag es verstehen. In die Weiten dieser großen Welt fallengelassen, getragen vom Wind, zerbrechlich, klein, allein, er war doch ein Kind. Das Haus immer mit Leben, und doch, er dachte, er müsse sterben. In die Weiten dieser großen Welt, die Straßen beben. Berge aus Glas und Stahl sich erheben. Die Alten lachen und scherzen, füllen sich ab, um zu betäuben ihre Schmerzen. Allesamt dienen nur dem Einen, dem der verbannt wurde aus den Reihen der himmlischen Wesen. Alle unterstützen sie ihn, den Flüsterer, den Verstoßenen der Rache schwor. Und so setzte er sich die Maske der Ahnen auf. Er hat keine Hörner und keinen Dreizack in der Hand, nein, seine Waffe ist die zwiespältige Zunge. Sein drittes Auge, und sein Menschengesicht. Man sieht ihn nicht. Er ist kein Wesen wie du und ich. Er hat die Fähigkeit von einer Seele zur nächsten zu springen, wie die Flöhe es tun. Er vergiftet den Menschen mit seinen Worten, die wie Pfeile aus seinem Mund geschossen kommen. Er steckt sie an mit Neid und Habgier, die sich wie ein Virus unter den Menschen verbreiten. Seit tausend Jahren bereitet er die letzte Schlacht vor. Gott erschuf das Universum und die Welten in sieben Tagen. Nicht in sieben irdischen, sondern in sieben göttlichen Tagen. Wahrhaftig geht es über unsere menschliche Vorstellungskraft hinaus. Denn was ist Zeit? Zeit ist relativ wie alles andere, was uns vor Augen gehalten wird. Wenn ein göttlicher Tag vergeht, dann vergehen für uns Menschen Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Jahre. Das heißt, wenn Gott am Tag eins Himmel und Erde erschuf, dann bedeutet dies, dass in den ersten paar Millionen oder Milliarden Jahren Gott den Himmel (Universum) und die Erde (Planeten) erschuf. Gott erschuf die Naturgesetze und alles nahm seinen Lauf. Am siebten göttlichen Tag, (in dem wir uns noch immer befinden), entwickelten sich nicht nur die Wesen, die wir kennen, nein es gab und es gibt Wesen, die wir uns im Traum nicht vorstellen können. Der Flüsterer ist solch ein Wesen, er lebte einst auf dieser Erde mit vielen anderen Wesen zusammen. Man glaubt es kaum, aber er war mal ein frommes Wesen, anders als alle anderen Wesen hielt er sich an alle Naturgesetze. Der Flüsterer, in manchen Gegenden auch Iblis und in anderen Gegenden Satan genannt, wanderte auf dem Pfad der Gerechten und war stolz darauf. Er mahnte alle anderen Wesen, dass die Sterne vom Himmel fallen würden, wenn man sich nicht beherrschen könne.

Und so geschah es, ein großer mächtiger Stern raste auf die Erde zu und vernichtete so gut wie alles Leben, fast alle Tiere, fast alle Pflanzen. Der Flüsterer, der fromm war, durfte sich in den Reihen der himmlischen Wesen glücklich schätzen.

Doch dann änderte sich alles, ein Wesen, das man Mensch nennt, erblickte das Licht der Welt. Erschaffen aus Staub und Wasser sollte er eins mit Mutter Erde werden. Alle Lebewesen des Universums sollten den Menschen willkommen heißen. Bis auf einen, der Flüsterer, er weigerte sich. Sein Stolz sollte sein Schicksal besiegeln. Und so geschah es, dass er aus den Reihen der Ahnen verbannt wurde. Der Zerfall der Zivilisationen hat begonnen, warum? Der Honig ist verdorben, und die Bienen sterben. Der Bauer kann sein Acker nicht mehr beackern. Alles, was wir kennen, wird verbrennen. Aus dem Rachen des Drachen wird es kommen. Sieben Reiter werden es sein. Sie werden kommen, mit ihren Hufen schwer wie Blei, und unsere letzten Werte in den Mutterboden einstampfen. Verbreiten werden sie Angst und Schrecken mehr denn je. Doch sagte ich ihnen nicht, es werde kommen das Licht? Sie sagten, wir werden kommen aus dem Westen, werden nicht ruhen und nicht rasten. Werden euch vertilgen, wie die Heuschrecken. Ich konnte sie sehen, und sprechen dufte ich mit ihnen auch, in Ruhe ließen sie mich, denn ich, werde beschützt vom Licht. Sie stellten sich mir vor. Der erste hieß Superbus, stolz ritt er an mir vorbei. Der Zweite hieß Avaritia, zurückhaltend, ja geizig verhielt er sich gegenüber den Armen bettelnden Frauen. Der Dritte nannte sich Invidia, voller Neid schaut er mich an, wie er bemerkt meinen Tatendrang. Der Vierte hieß Intemperantiae. Der Fünfte Fornicato. Der Sechste Ira, als er an mir vorbeiritt, verdunkelte sich der Himmel, so viel Boshaftigkeit, so viel Zorn hatte ich schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Und der Siebte und Letzte hieß Inertie, träge und lustlos ritt er hinter den anderen her. Obacht müssen wir geben, denn sie alle nur nach einer Sache streben, und zwar nach Tod und Verderben.Der Knecht und der König

 

Italien um 1790 nach Christus.

Giuliano ist ein Vorfahre von Angelo, er lebte in einer Zeit, wo Kriege die Welt beherrschten. In einer Zeit, wo das Lesen und Schreiben nur Wenigen vorbehalten war. Ich nenne es die Zeit der großen Unwissenheit. War man außergewöhnlich, wurde man weggesperrt. Demokratie, Meinungsfreiheit oder das Recht auf Gleichheit kannte man nicht. Doch Giuliano war einer der Wenigen, die versuchten in dieser dunklen Welt ein bisschen Licht zu bringen. Schon sein Vater Mario versuchte, die Liebe und Gottes Wort, zu lehren. Versteckt in Höhlen lehrte er den Menschen das Lesen und Schreiben.

Doch weil sein Vater das Wort der Bibel anders lehrte als die scheinheiligen Machthaber der damaligen Kirche, wurde er gefangen genommen.

Der Vater von Giuliano wurde bis zu seinem Tod als Sklave im Königshaus gehalten. In Gefangenschaft verliebte sich Mario in Mara, sie durften vom König aus heiraten und wenig später wurde Giuliano geboren, der seither ebenfalls von Geburt an als Sklave im Königshaus lebt. Doch anders als sein Vater Mario, will sich Giuliano nicht fügen und versucht auszubrechen und einen weg finden, die Menschen außerhalb des Palastes zu erreichen. Der König versucht den Willen von Giuliano zu brechen. Er besucht ihn regelmäßig in seiner Zelle, um ihn zu demütigen.......